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Mehmet Karakavak- Integrationslotse im Sport!

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Interview mit Mehemet Karakavak

UA.: Was würdest du tun, wenn du ab jetzt finanziell ausgesorgt hättest?

MK.: Schöne Frage. (lacht) Also ich würde mich auf jeden Fall ehrenamtlich weiter engagieren und auch mit den Menschen in meinem Netzwerk, in den Vereinen, in denen ich tätig bin, weiterhin ehrenamtliche Projekte mitgestalten.

UA.: Und ansonsten? Hast Du einen Traum, den du dir noch nicht erfüllen konntest?

MK.: Ja. Ich würde endlich mal eine Bergsteiger-Tour unternehmen. Mein Traum ist es, auf jeden Fall einmal einen Berg zu besteigen. In der Türkei den Erciyes, der liegt 25km südlich von Kayseri, meiner Heimatstadt . Der Berg ist 3917m hoch.

UA.: Ist das so ein „Ritual“-Berg, den man einmal im Leben bestiegen haben muss? Oder ist das ein persönlicher Wunsch?

MK.: Naja, meine Familie wohnt da. Das liegt fast bei uns vor der Haustür. Wir haben den Blick genau auf diesen Berg.

UA.: Sag noch mal genau, wo „bei uns“ ist.

MK.: Das ist Kayseri, Zentralanatolien. Der Nationalpark Göreme ist dort in der Nähe. Eine Mondlandschaft aus Tuffgestein. Der Park ist einer von zwei Weltnaturerbestätten der Türkei. Dort wo auch Heißluftballon-Touren gemacht werden. Das ist die Landschaft um den Berg Erciyes.

UA.: Das heißt, du hast da als Kind schon eine Beziehung zu gehabt, hast da hingeguckt und hast gesagt, da möchte ich irgendwann mal hin?

MK.: Ja genau. Also jetzt mittlerweile gibt’s da im Sommer keinen Schnee mehr, der sichtbar ist, aber ich kann mich noch ganz schwach erinnern, als ich noch in der Türkei bis zu meinem 4. Lebensjahr gelebt habe, und auch danach vom Hörensagen, dass es mit dem Schnee immer weniger geworden ist.

UA.: Und der Berg ist ein erloschener Vulkan?

MK.: Genau. Und ich habe mir immer wieder vorgenommen, da mal raufzusteigen, aber man muss dann auch wirklich Zeit haben, 14 Tage da hin, die Tour mitmachen oder selbst organisieren. Und man geht da ja nicht mal eben so rauf sondern man muss auch körperlich fit sein.

U.A: Ja, und wenn Du zwei Personen mitnehmen könntest, wer wäre das.

M.K.: Vorstellen könnte ich mir, dass ich dann meine Partnerin, also Manuela, mitnehme und Aylin, meine Tochter. Die würde mit Sicherheit mitkommen. Aber ansonsten ist das so mein Ding. Persönlich und inneres Ziel, was ich leider schon ewig immer wieder verschiebe von Jahr zu Jahr.

UA.: Was macht dich besonders stolz?

MK.: Ich habe im Leben ja überwiegend hier in Elmshorn gelebt. Ich bin hier groß geworden. Was mich stolz macht, ist, dass ich einen unheimlich guten Freundes- und Bekanntenkreis habe, auch mit euch, dass ich in meinen Ursprungsverein, in dem ich angefangen habe, zu turnen, wieder zurückgekehrt bin, so als ob das meine Wurzeln sind. Ich bin stolz, dass ich auch persönlich anerkannt bin. Ich kann hinkommen, wo ich will, ich habe da fast überall einen guten Draht und bin überall willkommen. Ich habe das Gefühl, ich bin ein gern gesehener Mensch.

U.A.: Verbindest du den Begriff Stolz auch mit deiner Tochter ? Oder fühlt sich das noch anders an?

M.: Ja. Das fühlt sich anders an. Ich bin stolz auf sie als Papa. Wir haben ja eine bewegte Vergangenheit hinter uns und in den letzten Jahren hat sich das Verhältnis noch unheimlich gefestigt, wir haben einen guten Kontakt und ein gutes Verhältnis zueinander. Und auch ihre Entwicklung, mit ihrer Weiterbildung als Fachwirt, und dass sie bei der Arbeit einen ähnlichen Weg geht, wie ich, also auch mit Menschen unheimlich gut klar kommt, machen mich stolz.

U.A.: Wen würdest du gerne mal persönlich treffen?

M.K.: So ganz spontan… ich bin ja ein großer Fußball begeisterter Mensch… Uwe Seeler.

U.A.: Was vermisst du im Alltag am meisten?

M.K.: Ich würde sagen, die Ruhe. In unserer Gesellschaft gibt es im Alltag eigentlich wenig Ruhe. Es ist alles hektisch geworden und egal, wo man hinkommt, gibt es wenig Zeit, es ist alles schnell, schnell, schnell, zwischen Tür und Angel. Ich würde mir einige Dinge da ein bisschen ruhiger wünschen. Auch in der Familie. Ein bisschen mehr Zeit miteinander und füreinander. Also speziell in der Familie und im Freundeskreis.

U.A.: Welche Musik hörst du gerne?

M.K.: Ich höre Musik allgemein gerne, egal in welcher Sprache. Überwiegend höre ich türkische Musik, nicht weil ich die türkische Sprache vermisse sondern aus dem einfachen Grunde, dass ich mit der Musik meine Heimat, Ursprung, Türkei, meine Eltern verbinde. Das hat nichts mit Trauer zu tun, das hat auch nichts mit Protest zu tun sondern einfach, weil es schöne Erinnerungen sind, die dann wiederkommen, in die Kindheit zurückgehen. Es gibt natürlich noch andere Musik. Grönemeyer höre ich unheimlich gern und Peter Maffay.

U.A.: Das heißt, Musik löst bei dir unterschiedliches aus.

M.K.: Ja.

U.A.: Das machst du dann auch bewusst? Musik hören?

M.K.: Ja bewusst.

U.A.: Gibt es einen türkischen Radiosender, den du regelmäßig hörst?

M.K.: Nein. Also es gibt schon Radiosender, die man übers Internet hören kann, wo meine Lieblingssänger zu hören sind.

U.A.: Und ist türkische Musik eher Folklore, landestypisch? Oder sind das türkische Popsender? Oder ist das eine Mischung?

M.K.: Das ist eine Mischung. Volkslieder weniger, weil die Texte sehr traurig sind und mit Protestinhalten versehen. Ich versuche da zwar nicht unbedingt Abstand zu halten, aber es macht ja keinen Sinn, wenn man zum Beispiel niedergeschlagen ist, dann noch diese Musik zu hören. Da hört man sich lieber etwas Poppiges an, was mit Bewegung ist. Da gibt es so eine Mischung, die „neue türkische Welle“, die das Klassische mit dem Pop verbindet, und am Ende kommen gute Sachen raus. Dann darf in meiner Sammlung auch „Sir“ Sting nicht fehlen. Den höre ich auch sehr gerne. Und sonst auch klassische Musik quer Beet. Es gibt also nicht nur eine Richtung.

U.A.: Was möchtest du können, was du nicht kannst?

M.K.: Ich würde gerne ein Flugzeug fliegen können.

U.A.: Meinst du eine Propellermaschine, oder?

M.K: Das ist eigentlich egal. Eine Cessna würde mir schon reichen.

U.A.: Damit fangen ja die meisten Piloten an.

M.K.: Da gibt’s auch eine Verbindung. Als kleines Kind habe ich mal so ein Blechspielzeug gehabt. Das hatte so eine mechanische Funktion, wenn es sich einer Tischkante genähert hat, drehte es um. Das war 1970. Da hatte ich einen Flieger mit Feuerzeugbenzin gefüllt und meinte, dass er dann fliegt. Und dann habe ich ihn auch noch angesteckt. (lacht)

U.A.: Das ist ja eine süße Geschichte. Aber insofern ist das auch tief verwurzelt.

M.K.: Ja, so ist das dann auch hängengeblieben.

U.A: Was kann dich am meisten aufregen oder zornig machen?

M.K: Ungerechtigkeit. Allgemein Ungerechtigkeit. Wenn Menschen ungerecht behandelt werden, egal welche Nationalität, egal welches Geschlecht, Kinder, Erwachsene, Jugendliche. Oder auch Tiere. Das geht bei mir gar nicht. Dann lösen sich bei mir jegliche Emotionen. Es ist schwer, mit so etwas umzugehen. Das ist ja eine Charaktereigenschaft eines Menschen. Es gibt Dinge, Ungerechtigkeit, wie zum Beispiel die Entwicklung der Welt. Zum Beispiel meine Eltern leben ja in der Türkei, da betrifft mich das ja auch mit der Türkei. Und du bis machtlos. Du kannst zwar in deinem Netzwerk und Freundeskreis deutlich machen, dass du gegen die aktuelle Entwicklung bist, aber im Endeffekt hast du wenige Möglichkeiten.

U.A: Letzte Frage. Dein Leben in 5 Jahren. Wo siehst du dich da?

M.K: Ich hoffe, dass ich gesund bin, weiterhin mit meiner Familie, meiner Partnerin, meinen Freunden. So wie im Moment mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und mit dem Job in einer weiterentwickelten Form, dass ich mich weiterentwickele. Dass ich wieder voll im Leben stehe. Eigentlich stehe ich ja voll im Leben. Aber nach den letzten Jahren mit Arbeitslosigkeit und Fortbildung und dem Hin und Her mit der Türkei, möchte ich wieder durchstarten und dass es wieder weiter im normalen Alltag geht.

U.A.: Und eine Perspektive sehen und keine Angst vor der Zukunft haben?

M.K.: Ja. Und Hoffnung für neue Entwicklung und Projekte. Das hat mir ja letztes Jahr einen unheimlichen persönlichen Schub gegeben. Es ist ja kein Geheimnis, wenn die Eltern in der Türkei krank sind und man hier ist, dann zerreißt es einen förmlich von diesem Hin und Her. Das hat mich schon ziemlich runtergeholt. Da wollte ich hier schon alles hinschmeißen und alle Zelte abbrechen, aber die Familie hat mich überredet, hier zu bleiben. Ein Glück, dass ich hier geblieben bin. Das hat meine Lebensfreude wieder geweckt, und die Motivation ist wieder gestiegen, als ich von euch die Zusage bekommen habe, dass es losgeht. Und auch die neuen Kontakte mit dem LSV und das neue Netzwerk, auch in Elmshorn bei der Stadt, haben mir einen Schub gegeben. Es ist auch von mir eine innere Hoffnung und ein Ziel, was ich mir gesetzt habe, dieses vielleicht irgendwann mal als Fulltime-Job zu machen. Egal in welcher Form. Und unabhängig von den Voraussetzungen. Und die Flüchtlingsfrage – wir wissen ja noch nicht, wo das hingeht. Und wir beschäftigen uns zwar mit den Flüchtlingen aber wir haben auch noch andere sozial Schwache, Migranten usw.

U.A.: Also Bedürftige –die auch den Bedarf haben, die sich Sport nicht leisten könnten, wenn es da nicht Möglichkeiten gäbe. Die allerletzte Frage ist, welche Frage hättest du dir selbst noch gestellt? Was würdest du noch gerne loswerden?

M.K.: Ist der EMTV mit meiner Arbeit zufrieden? Mit der Entwicklung?

U.A.: Ja, sonst würden wir hier nicht sitzen. Vielen Dank für das Gespräch, Mehmet.

 

 

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